Das Bildungssystem in Myanmar

Bildung hatte in Myanmar traditionell schon immer einen gesellschaftlich hohen Stellenwert. Dies kann unter anderem durch die buddhistischen Glaubenspraktiken erklärt werden, bei denen Ignoranz als eine Hauptursache für das Leiden der Menschen und die damit verbundene Wiedergeburt genannt wird. Auch wenn das Erlangen von Wissen damals religiöser Natur war und auf das Studium buddhistischer Texte und der korrekten Ausübung der Religion ausgerichtet war, waren damit doch Lesen und Schreiben fester Teil der kindlichen Früherziehung. Diese übernahmen damals vielerorts Klosterschulen, in denen Kinder umsonst unterrichtet wurden.

Im Laufe der Kolonialzeit wurden im ganzen Land säkulare Schulen errichtet. Ihr Ziel war die Vermittlung der englischen Sprache und Wissen wie Buchhaltung und Geographie. Diese Schulen dienten vor allem dazu, Menschen auszubilden, die die Aufgaben des kolonialen Verwaltungsapparates ausführen konnten. Die Briten versuchten zunächst, das monastische Schulsystem mit zu benutzen. Das scheiterte aber am Widerstand der Mönche und so wurden um 1870 erste säkulare Schulen eröffnet. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts konnten aber mit der Erlaubnis des damaligen Königs christliche Missionsschulen im gesamten Land errichtet werden. Und das ist der Grund, dass heute vor allem in den entlegeneren ländlichen Grenzregionen Myanmars noch christliche Glaubensgemeinschaften existieren.

Nach der Unabhängigkeit Myanmars 1948 folgte eine kurze Phase einer parlamentarischen Demokratie. 1962 wurde sie durch einen Militärputsch abgelöst und die darauffolgende Militärdiktatur regierte das Land jahrzehntelang nach sozialistischen Leitsätzen. Das hatte auch Auswirkungen auf das Bildungssystem. In den 1960er Jahren wurden alle privaten Schulen und Universitäten verstaatlicht und unter zentralistische Kontrolle gestellt. Einerseits erhielt die Förderung der Bildung von staatlicher Seite eine hohe Priorität: Der Fortschritt beim Zugang zur Grundschulbildung für alle sowie die Reduzierung der Analphabetenrate fanden sogar international Anerkennung: Die UNESCO verlieh der Regierung 1972 den von der iranischen Regierung gestifteten Mohammed Reza Pahlavi Preis. Andererseits waren politisch aktive Studierende der Regierung ein Dorn im Auge. Nach dem regierungskritischen Studentenaufstand von 1988, der blutig niedergeschlagen wurde, wurden Universitäten jahrelang geschlossen. Und ähnlich wie in anderen Diktaturen, wurden führende Intellektuelle in Gefängnisse eingesperrt oder mussten das Land verlassen. Zusätzlich schottete sich das Land jahrelang von der Außenwelt ab. Diese Abschottung wirkte sich auch negativ auf das Bildungssystem aus.So gab es zum Beispiel kaum noch muttersprachliche EnglischlehrerInnen und das gelehrte Niveau der Sprache sank stark. Mit der graduellen politischen und wirtschaftlichen Öffnung Myanmars seit 2011 werden nun dringend notwendige Bildungsreformen angegangen und Finanzierungslücken geschlossen. In den Jahren 2011 bis 2016 stiegen die öffentlichen Ausgaben für das Bildungssystem um 316%. „Building a modern developed nation through education“ zu Deutsch „Mit Bildung zu einer modernen entwickelten Gesellschaft“ ist eine der Leitsätze der jetzigen Regierung. Aktuell befindet sich das Bildungssystem Myanmars im Umbruch: Mit dem Nationalen Strategieplan für Bildung (2016-2021) hat die burmesische Regierung neun Bereiche identifiziert, die Sie langfristig verändern möchte. Einer der Kernpunkte ist die Erhöhung der Schuljahre von 11 auf 12. Mit dieser Angleichung an internationale Standards wird es für myanmarische junge Erwachsene leichter sein, sich für ein Universitätsstudium im Ausland zu bewerben. Am zweiten Strategieplan (2021-2026) wird aktuell gearbeitet, er soll Anfang 2021 vorgestellt werden.

Studieren darf in Myanmar nur, wer ein Matrikulationsexamen besteht. Das sind zurzeit etwa 40% pro Jahr. Im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern schließt das Bildungssystem Myanmars immer noch schlecht ab, aber die Reformbemühungen sind spürbar und die Qualität der Bildungseinrichtungen steigt stetig. Verglichen mit anderen Ländern sind die Universitätskosten in Myanmar erfreulicherweise niedrig. Trotzdem stellt für viele junge Menschen studieren eine unüberwindbare Hürde da. Verantwortlich dafür sind die hohen Lebensunterhaltungskosten in den Städten. Wer nicht auf einen Verwandten in der jeweiligen Stadt zurückgreifen kann, hat trotz gutem Schulabschluss kaum eine Chance. Anders als in vielen Ländern gibt es in Myanmar kaum staatliche Förder- oder Unterstützungsprogramme. Auch private Studienkredite sind kaum zu bekommen, für jemanden ohne Vermögen fast unmöglich - und wenn mit horrenden Zinsen. Vor allem für begabte junge Menschen aus abgelegenen Regionen Myanmars bietet sich so keine Möglichkeit, ihr Potential voll zu entfalten und sich in den Dienst und die Entwicklung ihres Landes zu stellen.

Und hier möchten wir mit Verein Colours of Life e.V. einen Beitrag leisten – Menschen Chancen eröffnen und Perspektiven schenken!
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